Prof. Dr. Thomas Steiner
Die Kunst KI intelligent zu nutzen
Vom Sprechen mit KI zum Denken mit KI
Grundidee des Kurses
Du beginnst diesen Kurs mit einer bewusst einfachen Anweisung: «Verfasse eine Arbeit über den wirtschaftlichen Wert von Schönheit im Tourismus.» Das Thema bleibt unverändert, während sich deine Beziehung zur KI verändert. Du lernst zunächst, mit einem Sprachmodell zu kommunizieren und es anschliessend als kognitiven Partner einzusetzen, um dein Denken zu erweitern, zu strukturieren und zu prüfen.
Dieser Kurs beruht nicht auf dem Versprechen eines perfekten Prompts. Er führt dich in Promptgestaltung als Element einer umfassenderen Praxis intellektueller Gestaltung ein: Rahmung, Dialog, Zerlegung, Evidenz, Kritik, Urteil, Verantwortung und Reflexion. Das Ziel besteht nicht darin, das Werkzeug intelligent erscheinen zu lassen. Das Ziel besteht darin, deinen Umgang mit dem Werkzeug intelligenter zu machen.
Ausgangsprompt
Verfasse eine Arbeit über den wirtschaftlichen Wert von Schönheit im Tourismus.
Bitte die KI nicht nur um eine Antwort. Gestalte die Bedingungen, Operationen und Urteile, aus denen eine gehaltvolle Antwort entstehen kann.
Lernergebnisse
- Du gestaltest kontextbezogene Prompts, die Situation, Perspektive, Zweck, Operation und Ergebnisform unterscheiden.
- Du setzt Gesprächsstrukturen, Personas, Meta-Prompts, Feedback und Gedächtnis bewusst statt zufällig ein.
- Du nutzt KI, um komplexe Probleme zu befragen, zu zerlegen, abzubilden, zu durchqueren, zu prüfen und zu reflektieren.
- Du externalisierst Methoden in portablen Agenten in Form von Word-Dokumenten und orchestrierst mehrere Werkzeuge oder Agentenspezifikationen.
- Du beurteilst logische Gültigkeit, Evidenz, Unsicherheit, Rahmung, Manipulation, Nachhaltigkeit und Delegation.
Kursarchitektur
Technische Unterscheidungen
| Kontextfenster | Das Gesprächsmaterial, das dem Modell aktuell zur Verfügung steht. Es ist begrenzt und vom jeweiligen System abhängig. |
|---|---|
| Kontextinterne Anpassung | Veränderungen der Antwort, die durch Anweisungen und Feedback im verfügbaren Gespräch entstehen, nicht zwingend durch ein erneutes Training des Modells. |
| Gesprächsübergreifendes Gedächtnis | Optional gespeicherter oder abgerufener persönlicher Kontext, der in einem neuen Gespräch verfügbar gemacht wird; Verfügbarkeit und Kontrolle unterscheiden sich je nach System. |
| Strukturierte Begründungsdarstellung | Eine vom Modell verlangte, nachvollziehbare Zerlegung. Sie gewährt keinen vollständigen Zugang zu verborgenen internen Berechnungen. |
| Agent in Form eines Word-Dokuments | Ein portables Anweisungsartefakt, das Ziele, Grenzen, Prozess, Informationen, Ressourcen und Abschlusskriterien festlegt. |
| Werkzeugorchestrierung | Die Aufteilung kognitiver Arbeit auf ein allgemeines Modell, spezialisierte Werkzeuge, Evidenzquellen und menschliches Urteil. |
Die Kunst KI intelligent zu nutzen beginnt für dich mit besseren Prompts, darf aber nicht dabei stehen bleiben. Sie wächst durch bessere Gespräche, prüfbareres Denken, solidere Evidenzpraktiken und explizite menschliche Urteile.
Nutze KI nicht bloss, um mehr zu produzieren, sondern um besser zu fragen, klarer zu denken und verantwortlicher zu entscheiden.